Fischerei

Die Fischerei ist so alt wie die Menschheit selbst. Das Fischen zur Nahrungsbeschaffung wurde im Verlauf der Jahrhunderte mit der Entwicklung neuer Materialien und Maschinen immer weiter verfeinert. Eine große Variante unterschiedlicher Fanggeräte und –methoden existiert so heute. Sie unterscheiden sich nach der Fangtaktik, der Art des Gewässers und auch nach den Vorlieben des einzelnen Fischers. Grundsätzlich unterscheidet der Berufsfischer zwischen der Bewegten (aktiven) Fischerei, zu der Zug- und Schleppnetze, aber auch die Elektrofischerei zählen, und der Stillen (passiven) Fischerei, zu der Reusen aller Art, Stellnetze sowie Harmen gerechnet werden.

Fischerei Lasner

In unserem Familienbetrieb wird hauptsächlich die Reusenfischerei betrieben. Die installierten Reusenkörbe mit ihren Leitnetzen werden mehrmals wöchentlich kontrolliert und ermöglichen einen fischschonenden und selektiven Fang, so dass ein nachhaltiges Fischereimanagement möglich ist.

Die Reusenfischerei

Die Reuse ist eine der ältesten Fangmethoden in der Fischerei und kann als eine Art "Fischfalle" bezeichnet werden. Es gibt eine Vielfalt an unterschiedlichen Reusentypen, die in ihrer Größe, Bau- und Fangart sowie der Aufstellung im Gewässer variieren. Im Prinzip stellt die Reuse ein kegelförmiges Netzgebilde dar, das stationär fängt. Alle Reusen haben mit Ausnahme der Bunge und Aalkorbketten nur einen Eingang, werden durch Bügel oder Spannleinen offen gehalten und verjüngen sich in ihrer Konstruktion nach hinten.

Abbildung: Flügelreuse

Flügelreuse

Flügel und Leitnetz haben die Funktion die Leitfähigkeit der Reuse zu erhöhen, d. h. den Fisch in die Reuse zu "leiten". Die Reuse wird idealerweise rechtwinklig zur Uferlinie im Litoral installiert, dabei wird die Wassersäule vom Leitnetz zum Steert her tiefer. Die Öffnung zeigt in Richtung Ufer. Der Fisch stößt bei seiner Wanderung im flachen Uferwasser gegen das Hindernis in Form des Leitnetzes und versucht dies zu umgehen, in dem er ins tiefere Freiwasser schwimmt. Die Kehlen der Reusen stellen für ihn kein Hindernis dar, da sie in Richtung des Hinterhauses durch ihre schlitzförmige Öffnung eine Wanderung in eine Richtung zulassen. Im Steert ist der Fisch schließlich gefangen; die Kehlen verhindern ein Zurückkehren in Richtung Leitnetz. Die Kehlen werden von Kehlenschnüren innerhalb der Reuse straff gehalten, die Reuse selbst wird durch Pfähle bzw. Priggen stabilisiert, Bügel halten die Reuse offen. Die meisten Reusenarten ähneln in ihrer Konstruktion der in der Abbildung Dargestellten; diese Art der Reusen werden Kegelreusen genannt, hierzu zählen im Wesentlichen der Kossack, die Pärchenreuse (doppelter Bocksack), Flügelreuse, einfache Reuse, Kastenreuse (-Sack), Ankerreuse. Daneben gibt es noch die Trommelreusen (Bunge, Aalkette, Krebskörbe) und die Korbreusen (Aal- und Krebskörbe). Durch die verschiedenen Kombinationen von Größe, Kehlenanzahl, Nebensäcken, Aufstellung der Flügel, Vorhäusern, Verankerung mit Bügeln oder ohne et cetera sind etliche verschiedene Reusentypen entstanden, die durch ihre Konstruktion den jeweiligen Gegebenheiten des Fanggebietes angepasst wurden.

Im Frühjahr, wenn der Aal dem Laich anderer Fische nachstellt und im Herbst während der Abwanderung des Blankaals in Neumondphasen werden die Reusen an fangstrategisch guten Stellen installiert, zugleich aber auch zur Absperrung von Zuläufen verwendet. Nur eine saubere Reuse hat eine gute Leitfunktion, da sie sonst von den Fischen zu früh als unüberwindbares Hindernis wahrgenommen wird.

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Die Installation von Großreusen erfordert viel Geschick im Umgang mit dem Motorboot, da das Leitnetz im 90° Winkel zur Uferlinie, die Nebensäcke im 45° Winkel zum Leitnetz gestellt werden müssen, um gute Fangergebnisse zu erzielen. Besonders wichtig ist, dass die gesamte Reuse, also Reusenrumpf, Leitnetz und Flügel unter Spannung stehen, damit die Leitfunktion der Reuse hoch bleibt und ein Entweichen der Fische aus dem Steert verhindert wird. Das Aufstellen der Reuse unter Spannung wird auch als "Abrecken" bezeichnet. Da die Fische bei der Reusenfischerei unverletzt gefangen werden, haben sie eine hohe Qualität. Aal ist hierbei der Hauptfangfisch. Die Reuse ist in ihrer Bau-, Installationsart und Pflege ein recht aufwendiges Fanggerät. Richtig installiert, erzielt sie jedoch bei geringem Arbeitsaufwand in der Kontrolle, sehr gute Fangergebnisse und ist eines der wichtigsten Fanginstrumente der Seenfischerei.

Die Stellnetzfischerei

Stellnetze sind im Vergleich zu Reusen relativ einfach herzustellende Fanginstrumente. Sie bestehen aus einer Netzwand, Oberleine (Korkleine), Unterleine (Bleileine), Schwimmern (Studder) und evtl. Ankervorrichtungen (Ankersteine). Auch sie gehören wie die Reusen zur stillen Fischerei. Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten von Stellnetzen unterschieden: dem einwandigen Stellnetz (Kiemennetz) und den mehrwandigen Stellnetz (Spiegelnetz). Durch unterschiedliche Maschenweiten lassen sich Stellnetze für bestimmte Fischarten herstellen, die dementsprechend kennzeichnende Namen tragen (Maränennetz, Barsch-, Zander-, Hecht-, Plötznetz et cetera). Die Maschen bestehen aus sehr dünnem Garn (Endlosgarn), um nicht von den Fischen wahrgenommen zu werden.

Zur Vorbereitung des Stellens ist es notwendig bestimmte Vorbereitungen zu treffen. Netzwannen, Sonar (auch "Fishfinder" genannt) und ein Kescher für größere Fische, werden auf das Motorboot geladen. Die Netze werden in der Regel aus einer Wanne heraus gesetzt. Das Aussetzen erfolgt mit dem Wind, je nach Jahreszeit in unterschiedlichen Tiefen. Hier gilt die Faustregel: je höher die Wassertemperaturen, desto flacher werden die Netze gestellt, da im Sommer die unteren Wasserschichten sauerstoffarm sind, begeben sich die Fische in höhere, sauerstoffreiche Wasserschichten. Die ausgelegten Stellnetze werden alle 24 Stunden kontrolliert. Das Aufnehmen der Netze erfolgt gegen die Windrichtung bei ausgeschaltetem Motor, um ein Verhaken des losen Netzes am Boot zu verhindern. Hierbei ist es wichtig, neben dem Herauspulen der Fische, das Netz auch aufzuklaren, es also von Fremdkörpern (Muschel, Algen, Stöcke usw.) zu befreien, damit es beim späteren Stellen aus der Wanne nicht zum Verhaken oder Verknoten des Netzes kommt und die Fische es nicht als Hindernis werten. Außer am Boden stehend gibt es noch zwei weitere Varianten des Auslegens eines Stellnetzes: Pelagisch schwimmend; das Netz schwimmt frei unter der Wasseroberfläche, das Netz wird entweder mit zusätzlichen Schwimmern "hochgebunden" oder aber mit zusätzlichen Gewichten (Ankersteine) verankert, dies wird auch als "auf den Füßen stehendes Stellnetz" bezeichnet. Diese Art des Stellens findet insbesondere in der Maränenfischerei Anwendung (Süddeutschland). Schwimmend an der Wasseroberfläche; dies sind Netze ohne Unterleine, sie haben einen hohen Auftrieb, die Korkleine schwimmt an der Wasseroberfläche. Einsatzbereiche sind große und tiefe Seen.

Die mehrwandigen oder auch dreiwandigen Stellnetze (Spiegelnetze) werden am Boden stehend gestellt. Sie unterscheiden sich in ihrer Konstruktion von den Einwandigen in der Weise, dass sie aus drei übereinander befestigten Netzwänden bestehen. Die mittlere Netzwand besteht aus sehr feinen Maschen (Inngarn), dies ist sehr lose an den Leinen montiert. Umgeben wird es von den Spiegeln, dem äußeren großmaschigen Netzwänden, die sehr straff eingestellt sind. Alle drei Wände werden durch eine Ober- und Unterleine offen gehalten, wie dies auch beim einwandigen Stellnetz der Fall ist. Der Fisch bildet beim Hineinschwimmen einen Netzbeutel, in dem er sich verfängt. Fische die auf diese Weise gefangen werden sind unversehrter als mit Kiemennetzen (einwandige Stellnetze) gefangene Artgenossen. Durch die Konstruktion bedingt, ist die Streuung der Fischarten beim Fang mit Spiegelnetzen breiter als bei einwandigen Stellnetzen, d.h. eine strenge Selektion der Fangfische durch die Maschengröße findet nicht statt. Ihre Fangselektionsfähigkeit (Maschenweite) und der geringe Arbeitsaufwand beim Aussetzen und Heben der Stellnetze aus einer Netzwanne oder mit einer Handgaffel sowie die geringen Anschaffungskosten sind die größten Vorteile der Stellnetzfischerei.

Die Zugnetzfischerei

Das Zugnetz zählt im Gegensatz zum Stellnetz und zur Reuse zu der aktiven Fischerei. In einem Gewässer wird das Zugnetz dazu eingesetzt, Fischschwärme zu umschließen. Dabei wird das Netz im Tiefen ausgesetzt und ins Flache gezogen. Im Fachjargon wird deshalb auch von Bewegter Fischerei gesprochen. Zusammenfassend werden alle Arbeitsschritte bei der Zugnetzfischerei beginnend vom Aussetzen des Netzes bis hin zum Aufdecken des Sackes "als einen Zug machen" bezeichnet.

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Nicht alle Stellen eines Gewässers eignen sich für die Zugnetzfischerei, ein Gewässer bietet dem Fischer so und so viele Zugmöglichkeiten. Zumeist werden die möglichen Züge in einem Gewässer von den erfahrenen Fischern an die Nachfolgegeneration weitergegeben. Das Zugnetz ist ein sehr großes Fanggerät, welches aufgrund seiner unüberschaubaren Größe recht schwierig herzustellen und zu handhaben ist (Flügellängen bis über 1000 m). Es besteht aus einem Sack oder einer Netzausbuchtung und zwei Flügeln. Keil-, Ring- und Taillensack sind die geläufigsten Sacktypen. Der letzte Abschnitt des Sackes wird Steert genannt. Hier befindet sich der Hauptfang eines Zuges. Vor dem Steert kann eine Kehle als eine weiterführende Sicherung angebracht sein, die ein Entweichen der im Steert befindlichen Fische verhindert. An der Öffnung des Sackes befinden sich der Unter- und der Oberspann, diese sind in ihrer Funktion äquivalent zur Ober- und Unterleine. Sie halten die Sacköffnung offen und dienen als Verbindung zur Unter- bzw. Oberleine der Flügel. An der Oberdecke des Keilsackes sind Schwimmer montiert, sie halten den Sack der Länge nach offen, außerdem befinden sich noch zwei große rote Schwimmer am Oberspann, die den Beginn des Sackes markieren. Der rechte und linke Flügel sind Zugnetzwände. Diese Wände werden zum Sack hin höher und engmaschiger. Die Unterleine der Flügel schließen während des gesamten Zuges mit dem Seeboden ab.

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Die Zugnetzfischerei ist eine sehr arbeitsaufwendige Art der Fischerei, die nur unter bestimmten Bedingungen durchgeführt werden kann. Die Aufzüge an den Uferstellen müssen lange flache Zonen haben, es darf nicht über hohe Berge oder steile Scharkanten gezogen werden, auch müssen die Züge frei von potenziellen Hakstellen wie Felsen, Baumstämme, Kriegsmüll sein. Zu starker Wind würde den Zug vertreiben, der Sack liefe dann nicht mittig. All dies gefährdet die Bodenschließung und würde ein Entkommen der umschlossenen Fische ermöglichen oder gar das Netz beschädigen. Grundsätzlich kann die Zugnetzfischerei ganzjährig betrieben werden. Frühjahr und Herbst sind jedoch die günstigsten Jahreszeiten für diese Fangmethode, das Gewässer ist frei von Eis, die Fische stehen konzentrierter im Wasser und sind bei niedrigen Wassertemperaturen (> 8 °C) weniger agil in ihren Fluchtbewegungen, auch ist der Krautbewuchs am Seeboden noch nicht bzw. nicht mehr vorhanden. Das Zugnetz ermöglicht bei richtiger Anwendung Massenfänge. Ungewollte Nebenfänge können unproblematisch wieder ins Gewässer eingesetzt werden, so dass eine gezielte Regulation des Bestandes (bspw. Weißfischabfischung) möglich ist.

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